Das zerbrechliche Glück Die Statistik weist Scheidungsraten in nie gekanntem Ausmaß aus, in den Großstädten dominieren die Single-Haushalte, und immer mehr Kinder werden außerehelich geboren oder erleben noch in ihrer Kindheit die Scheidung ihrer Eltern. Längst erklären Verhaltensforscher und Evolutionsbiologen die Ehe für ein Auslaufmodell der Geschichte: Der Mensch sei keineswegs zur Monogamie geschaffen; vielmehr habe er sich mit der Ehe eine Institution erfunden, für die er biologisch nicht disponiert sei. Aber sind Ehe und Familie wirklich nur gesellschaftliche Kunstprodukte, deren Auflösung unausweichlich ist?
In seinem ebenso unterhaltsamen wie provozierenden Buch vertritt Eberhard Straub die These, dass die Institution der Ehe jahrtausendelang eine eher unsentimentale Erscheinung war. Wenn wir von der Krise der Ehe sprechen, ist zumeist die bürgerliche Ehe des 19.Jahrhunderts gemeint. Die aber war eher ein Ausnahmefall der Geschichte. Sowohl in der griechischen Antike als auch im christlichen Mittelalter war die Ehe vor allem ein ökonomisches Arrangement, dessen Zweck die Fortpflanzung und die gemeinsame Lebensführung war. Zuneigung oder gar Liebe spielten in den seltensten Fällen eine Rolle.
Trotz dieser nüchternen Analyse kommt Eberhard Straub zu dem Schluss, dass die Ehe keineswegs der Vergangenheit angehört, denn gerade in einer Zeit rapiden Wandels gilt eine glückliche Ehe noch immer als wichtigste Voraussetzung für ein gelungenes Leben: Je unberechenbarer die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse werden, desto wichtiger sind Einrichtungen, die Dauer versprechen oder von denen doch Dauer gewünscht wird. So erleben wir nicht den Untergang, sondern nur eine weitere Metamorphose von Ehe und Familie, wie es sie in der Geschichte immer wieder gab.