Wüsten, Minarette und Moscheen Zwei Jahre vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges macht sich Margret Boveri mit einem altersschwachen Auto auf und fährt zusammen mit einer Freundin von Istanbul über Damaskus und Bagdad bis nach Isfahan und Teheran. Das war damals eine abenteuerliche Reise – über lehmige Wege und unwegsame Gebirgspässe, durch ausgetrocknete Flussbetten und staubige Wüsten. Oft genug bleibt der Wagen mit verbogener Achse oder defektem Vergaser liegen, so dass die beiden Damen am Straßenrand in einem Zelt übernachten müssen, bis Hilfe aus den kilometerweit entfernten Dörfern geholt werden kann.
Aber so archaisch und abenteuerlich die Umstände der Reise auch anmuten, so erlebte Margret Boveri doch noch die Welt des alten Orients. Es ist die Zeit vor den modernen Diktaturen und dem islamischen Fundamentalismus, vor Terror und Selbstmordattentaten: Damaskus und Bagdad, die einstigen Durchgangspunkte der Kamelkarawanen, sind noch farbige orientalische Städte, deren Straßen von fremden Düften erfüllt sind und in denen verschwiegene Palmengärten, kostbar ausgestattete Paläste und der Blick auf Minarette und goldene Kuppeln der Moscheen die Erinnerung an Tausendundeine Nacht heraufbeschwören.
Im Iran sind die Mullahs noch nicht an der Macht, in der Türkei hat Kemal Atatürk den osmanischen Fes verboten, und für Frauen herrscht striktes Schleierverbot. Und wenn die Boveri auf ihrer Reise vereinzelt auch schon religiösem Hass begegnet, so rühmt sie doch die vorurteilslose Gastfreundlichkeit der Bewohner dieser unendlichen Landschaften, Bewohner, die liebenswürdig und hilfsbereit sind – und vor allem neugierig auf die sonderbaren Damen, die da allein durch den Orient fahren. Margret Boveris poetischer Reisebericht, der kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs in dem Schweizer Atlantis Verlag erschien und erst jetzt anlässlich des 30. Todestages der Autorin in einer Neuauflage vorliegt, ist eine Liebeserklärung an den Orient und seine Menschen. Er erzählt von einer Welt, die nur ein paar Jahrzehnte vergangen und dennoch unwiederbringlich versunken ist.