Reform
Ein deutscher Mythos

Autor: Ralph Bollmann
Seiten: 191
Format: 12 x 20 cm
Gebunden mit Schutzumschlag

Preis: 19,9 € (D), 20,5 € (A), 34,9 sFr

ISBN: 9783937989433

Erscheinungsdatum:
Oktober 2008

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Von Luther bis zur Agenda 2010
Von SPD-Chef Franz Müntefering stammt der Satz, wenn die Menschen das Wort "Reform" hörten, würden sie erst einmal ihr Portmonnee zuhalten. Der Berliner Journalist Ralph Bollmann, Leiter des Parlamentsbüros der links-alternativen "tageszeitung" (taz), hat jetzt ein lesenswertes Buch über diesen Begriff geschrieben, den er im Untertitel sogar als einen "Mythos" der Deutschen bezeichnet.
Gleichermaßen belesen wie geistreich zieht Bollmann zahlreiche Parallelen zwischen der aktuellen Reformdebatte in Deutschland und Reformversuchen anderer Epochen. 


Märkische Allgemeine Zeitung

Hohe Töne, kleine Schritte. Von Karl dem Großen bis Gerhard Schröder: Ralph Bollmann beschreibt schwungvoll das Dilemma der Reformpolitik zu allen Zeiten
Regieren besteht, wie Regierende wissen, zuerst aus dem Regieren auf Ereignisse. Das sei das Schwierigste daran, hat ein früherer britischer Premier einmal gesagt. Aber das ist noch nicht alles, wie die Regierten wissen, weshalb es sich lohnt, genauer hinzusehen. Das versucht Ralph Bollmann, Leiter der Parlamentsredaktion der Berliner Tageszeitung. Er schrieb ein Buch, das nicht von Krisenmanagement oder Alltagsverwaltung handelt, sondern vom planerischen Gestalten und Verändern der Verhältnisse. Es heißt schlicht, einfach, endgültig Reform, und es hat einiges anzubieten, Ernsthaftes und Kurioses.
Reform und Reformer, eine schwierige Wechselbeziehung: Bollmann beschreibt exemplarisch historische Akteure, ihre guten Vorsätze, Fehler und Versäumnisse, die Erfolge und deren unbeabsichtigte Folgen. Dabei wartet er mit lesenswerten Fundsachen auf, skizziert Details und Zusammenhänge.


Die Zeit

Dem Ruck folgt der Verdruss
Egal, ob es um die Karolingische Bildungsreform des 9. Jahrhunderts oder um die Schrödersche Agenda 2010 geht, das vorerst letzte große Reformwerk, das den Deutschen beschert wurde: Reformen folgen alle dem gleichen Muster und nach dem Ruck kommt der Verdruss. Bollmann deckt dabei erstaunliche Parallelen auf, woraus das Buch einigen Witz bezieht. Etwa, wenn er Sätze aus einer Regierungserklärung Adenauers zitiert, die man heute einem Lafontaine zuschreiben könnte, oder wenn er den spätmittelalterlichen Ruf nach einer "Reform an Haupt und Gliedern" mit neoliberalen Forderungen vergleicht. (...) Ralph Bollmanns 180 Seiten schmaler Band ist eine kurzweilige und lehrreiche Lektüre - sowohl für Anhänger als auch für Gegner von Reformprojekten.
Torsten Gellner


Märkische Allgemeine Zeitung

Belebend: Ralph Bollmann über Reformen in der deutschen Geschichte
Noch jede große Neuerung hinterließ enttäuschte Akteure und überforderte Opfer. Das Klima von Aufbruch zu Beginn wird von Lähmung und Rückkehrsehnsüchten abgelöst. Schlechte Laune ist der Preis jeder Reform. Daran erinnert Ralph Bollmann in einem witzigen und gelehrten Essay, der Reform als "deutschen Mythos" behandelt. Der taz-Journalist ist als Schüler von Heinrich August Winkler ein gewiegter Historiker und als Parlamentskorrespondent ein genauer Beobachter der Berliner Szene. Auf nur 160 Textseiten lässt er uns die wichtigsten Reformen der deutschen Geschichte anschauen , wobei er den Bogen von der Karolingischen Bildungsreform des 9. Jahrhunderts bis zur Agenda 2010 spannt. (...) Glanzstück des Bandes ist eine Schilderung des vielleicht umfassendsten und doch vergessensten Reformversuchs der deutschen Geschichte, der Modernisierung, die Kaiser Joseph II. zwischen 1780 und 1790 seinen österreichischen Erblanden auferlegte.  
Gustav Seibt


Süddeutsche Zeitung

Jeder Reform folgt Verdruss

Tatsächlich ist es aufschlussreich, sich mit dem Verlaufsmuster von Reformen zu befassen. Der Historiker Ralph Bollmann, Leiter der Parlamentsredaktion der "taz", hat das jetzt getan. Sein Buch ist spektakulär: Der Zyklus verläuft immer gleich. Erst gibt es einen allseits beklagten Reformstau (sei es unter Maria Theresia, sei es unter Helmut Kohl), dann kommt es zu forcierten Reformen (Joseph II., Schröder), einige Zeit später herrscht dann allerorten Reformverdruss (Merkel). (...)

Solange Reform positiv besetzt ist, wollen alle es gewesen sein: Luther war Reformator, jedoch auch die katholische Gegenreformation hat sich als Reformbewegung vermarktet. Beide Mal beteuern die Neuerer, sie wollten doch nur das Alte restituieren: re-formare, wiederherstellen, im eigentlichen Sinn des Wortes. Hat sich der Reformwind aber gedreht, ist es ratsam, das Wort am besten gar nicht mehr in den Mund zu nehmen. Bollmanns Buch, stets originell und frech, hat den Vorteil, Reformgegnern und -freunden als reiche Anregung zu dienen.



- http://www.faz.net/s/RubC17179D529AB4E2BBEDB095D7C41F468/...
FAZ

Leitfaden für verzweifelte Reformer

Als speziell deutsch diagnostiziert taz-Redakteur Bollmann die überfrachteten Erwartungen an Reformen. Oftmals haben die Zeitgenossen den Eindruck, es gäbe lediglich die Wahl zwischen brutalstmöglicher Radikalreform und einem Scheitern. Das dahinter steckende Gesellschaftsbild begreift den sozialen Raum nicht als Arena konkurrierender Interessen. Stattdessen soll das Gute von oben kommen. Überaus lehrreich ist auch, was Bollmann zum Thema Reformgetöse schreibt. Die Hardenbergschen Reformen wurden heftig diskutiert. Gleichzeitig zogen die süddeutschen Regierungen in aller Stille radikalere Reformen durch. "Die geringere öffentliche Aufmerksamkeit war ein Faktor ihres Erfolges", schreibt Bollmann, "weil auf diese Weise weniger Widerstände provoziert wurden." Alle Reformer sollten dieses Buch genau lesen.



- http://www.welt.de/welt_print/article2561354/Leitfaden-fu...
Die Welt