Wer ein Leben rettetBieleckis Erinnerungen verdichten sich zur bedrückenden Lektüre und bilden ein notwendiges Gegengewicht zur sentimentalen Fiktionalisierung des Holocausts, wie sie in jüngerer Zeit etwa John Boyne mit seinem international erfolgreichen Roman "Der Junge im gestreiften Pyjama" unternommen hat. Den Büchern von Primo Levi, Jorge Semprun, Imre Kertész oder Ruth Klüger gleich verhelfen auch Bieleckis Aufzeichnungen gerade in ihrer Lakonik der "Ordnung des Terrors", wie der Soziologe Wolfgang Sofsky es beschrieben hat, zu beklemmender Anschaulichkeit. Umso erstaunlicher, dass es mehr als zwei Jahrzehnte gedauert hat, bis Bieleckis Memoiren ins Deutsche übersetzt wurden und dass dieses Buch bei uns bislang kaum Aufmerksamkeit gefunden hat.
Jerzy Bieleckis "Wer ein Leben rettet …" erweist sich - über die sensationelle Flucht und das Liebesdrama hinaus - als ebenso authentischer wie tief beeindruckender Text über die Lagerwirklichkeit in Auschwitz, ihre grausame Komplexität, ihre Widersprüche. Nicht zuletzt die nüchterne, vollkommen unprätentiöse Erzählweise macht diesen Text zu einem herausragenden Beispiel literarischer Verarbeitung der KZ-Erfahrung.
Dieses Buch wird Sie bis in Ihre Träume verfolgen. Und Sie werden sich am Ende fragen, wie Menschen, die Auschwitz überlebt haben, jemals wieder Vertrauen fassen, jemals wieder unbeschwert - und sei es nur für ein paar Momente - glücklich sein konnten.