»Ich lese gerade ... Reinhard Mohr«
Andreas Rebers (53), Kabarettist: »So ein Buch wie Reinhard Mohrs "Meide deinen Nächsten" lese ich gern, weil ich da nicht von vorne anfangen muss. Ich schätze diese kleinen Geschichten und kurzen Beobachtungen rund um die neuen Spießer. Es geht um den natürlichen Lebensraum des Störers, des Straßenbiertrinkers, um Kampfmütter und Kampfradler. Solche Leute plagen mich auch. Wie die Feng-Shui-Fußgänger. Die gehen besonders langsam und bleiben mitten auf dem Gehweg stehen, um über ihre Aura zu reden. Wenn man sie anrempelt, sind sie betroffen. Die kurzen Geschichten sind mitten aus dem Großstadtalltag gegriffen, funktionieren ganz plastisch und passen klug und humorvoll in unsere Zeit. Mohr beschäftigt sich dabei nicht mit abgedroschenen Feindbildern. Freunde kann man sich schließlich aussuchen, Tischnachbarn und Mitreisende nicht. Erfrischend boshaft für den kleinen Hunger zwischendurch.«
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http://www.morgenpost.de/printarchiv/kultur/article153213...
Berliner Morgenpost
Kurz und knapp
»Nächstenliebe ist erstes Gebot, doch mitunter fällt sie schwer. Lärmende Nachbarn, aufdringliche Restaurantbesucher und übel riechende Hintermänner an der Kasse erschüttern unseren Glauben an das Gute im Menschen jeden Tag aufs Neue. In pointierten Skizzen beschreibt Reinhard Mohr moderne Plagegeister quer durch alle sozialen Schichten: von den Thirtysomethings am Prenzlauer Berg, die bewaffnet mit Laptop und "Latte" ihr Wohnzimmer in die Öffentlichkeit ausdehnen, bis hin zu Straßenbiertrinkern und den allgegenwärtigen Panflötencombos. Mitreisende, die im ICE am Handy vor aller Ohren ihre Beziehungsprobleme ausbreiten, sind ihm ebenso ein Graus wie "Kampfmütter", die mit ihrem klugen Nachwuchs lautstark jede Eiskugel ausdiskutieren. Ob Straßenevent oder Reality-Show: Hinter all dem erkennt Mohr mangelndes Bewusstsein für Distanz und ein "Programm solipsistischer Selbstverwirklichung" auf Kosten anderer. Seine klugen, witzigen Betrachtungen bieten geplagten Stadtneurotikern Trost und Zuspruch.«
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http://www.welt.de/print/die_welt/vermischtes/article1090...
Die Welt
Interview mit Reinhard Mohr über den "Mitmenschen als Ärgernis"
radioeins
Quergelesen - Ein Buchtipp von Harald Asel
»Pöbeln, drängeln, rücksichtslose Radler, Blogger, Dauertelefonierer, Spießer: Auch nach tausenden Jahren der Zivilisation können Mitmenschen ein Ärgernis sein, meint der Autor Reinhard Mohr. In seinem Buch "Meide deinen Nächsten" hat er eine Liste der übelsten Nervensägen aufgestellt. Die hat er - nicht selten - im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg angetroffen. Ein Buchtipp von Harald Asel.
Gerade kocht ein Streit hoch zwischen Eltern im Berliner Szenebezirk Prenzlauer Berg, die ihre Ruhe haben wollen, und den verbliebenen angesagten Clubs. Letzthin stritten Anwohner gegen die Bebauung auf einem benachbarten Friedhof. Und nun schreibt Reinhard Mohr, Spiegel online Redakteur: „Meide deinen Nächsten“. Die Welt scheint voller Störenfriede zu sein: der eine steht vor mir in der Warteschlange an der Supermarktkasse und stinkt, der andere läuft ohne zu schauen über die Straße. Der eine fühlt sich als Tourist in Berlin da wohl, wo andere leben. Und die andere keift abends um 10 Uhr im Weinladen, wenn sich ein Zeitgenosse wegen spielenden Nachwichses gestört fühlt: „Haben sie was gegen Kinder?“
Mohr gibt zu, dass er als jemand, der im Stadtteil Prenzlauer Berg auch noch arbeiten will, ohnehin auf verlorenem Posten zu sein scheint, zudem als Stadtneurotiker, wie er sich im Untertitel nennt. Die Betrachtungen über verschiedene Typen von nervigen Zeitgenossen geraten zwar manchmal ins Rundumschlagen. (Ja kann es ihm denn gar keiner recht machen, denke ich.) Aber immer stimmt ja auch was, ob es um den Partyzerquasseler („den Feten-Scholl-Latour“) geht oder um den Straßenbiertrinker.
Mohr leistet quasi Abbitte an der Entwicklung, an der er vermutlich früher auch beteiligt war: der schleichenden Ausradierung der Grenze zwischen Innen und Außen, zwischen Privat und Öffentlich. Denn die Eingriffe in die Lebenssphäre des Anderen beginnen immer damit, dass die Straße als Wohnzimmer und die Ohren des Fremden als Showbühne missbraucht werden. Mein Tipp: in kleinen Häppchen lesen. Reinhard Mohr, „Meide deinen Nächsten. Beobachtungen eines Stradtneurotikers“, erschienen im wjs-verlag.«
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Inforadio